| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
|
|
Romantische Motive, auch 'schöne Motive', sind mir schon verdächtig für das Nicht-Viel-Können eines Malers. Denn wenn einer nicht aus den grauen Hinterhäusern Berlins die Schönheit sichtbar machen kann, nicht aus einem groben Gesicht oder einer Gestalt die menschliche Schönheit, das Leiden, oder aus einem anspruchslosen Stilleben 'Brot auf Teller' das Schöne im Einfachen, dann sehe ich keinen 'Sinn' seines Könnens. Mir scheint der 'Sinn': das Schöne da aufzuzeigen, fühlbar zu machen, wo die meisten es nicht von selbst sehen können.
Wozu eigentlich die ganzen zivilisatorischen Errungenschaften seit der Eiszeit, wenn dies das Ergebnis: die Erde ist ein Schlachtfeld, auf dem technisch vervollkommnet gemordet wird...
Immer noch bin ich erstaunt, trotz der Erfahrung zweimaliger Kriege, daß die Menschheit sich wirklich dazubringen läßt, gegenseitig aufeinander loszugehen, als Nation, gegen Nation, vergessend, daß sie Menschen sind (sie selbst und die andern) und daß die Köpfe, die sie mit Bomben zermalmen ebenso denken, leiden wie sie selbst und ebenso geboren wurden.
Mein Leben ist ein Übermaß an Glück und Leiden. Ich brauche das, obgleich mir alles weh tut.
Nicht immer kann man es sich leisten, Gefühle zu haben – die sind ein großer Luxus in diesem harten Leben!
Kunst ist wie eine Krankheit. Man arbeitet mit der Verzweiflung niemals das zu erreichen, was man will. Ja, mit der völligen Aussichtslosigkeit als Grundlage. Denn wenn man auch das Genie aller Genies wäre, man kann niemals das, was man will. Denn man will die Welt noch einmal erschaffen, neu erschaffen und harmonisch. Die Harmonie muß man aus sich selbst erschaffen. In diesem Wollen liegt schon die Aussichtslosigkeit begründet. Und man nimmt jeden Tag bis man stirbt von neuem den Kampf auf. [...]
Die Welt lieben – aber ohne Vogel-Strauß-Politik vor dem Grausigen das auch überall ist! - In der Gegenwart leben und beinah in jeder Gegenwart das Nochschöne, Nochgute genießen. Nur dann kann man es aushalten, weil man dadurch immer wieder ausruht und neue Kraft bekommt.
Sich Abfinden – das große, traurige Rezept des Lebens!
Da ich bisher keine Balkonpflanzen bekam, habe ich diesmal Gelegenheit das völlig unbeschränkte Gedeihen mehrerer Brennesselpflanzen, einer verirrten Rapspflanze (blühend) und mehrerer anderer mir unbekannter aber reizvoller Unkrautarten in den Balkonkästen zu beobachten. Sehr schön, wie sie so uneingeladen doch ihr Möglichstes tun, um zu grünen und so zierlich im Sonnenschein dastehen. Selbst wenn ich noch Balkonblumen bekomme, sollen doch darum sie, die Vorherdagewesenen nicht um ihr, Lebensrecht gebracht werden.
Das Bestreben, die Entwicklung dieses Zeitalters nimmt dem Menschen sein Bestes: das Individuelle, und damit das Menschenartige; es macht ihn zum Massenwesen, es entmenscht ihn. Er soll nicht mehr handeln, entscheiden, sich erbarmen, wie ihn sein Einzelmenschenherz antreibt, sondern nach großen Massenmenschenantrieben = zielen.